09.08.2011
Nicht erst seit den letzten Wochen ist in Berlins Bürgerämtern Land unter. Stundenlange Wartezeiten verärgern nicht nur die Kundschaft, sondern zermürben auch die Beschäftigten. Als wäre der Dauerstress nicht schon schlimm genug. Jetzt hat die Umsetzung des Gesetzes über Bildungs- und Teilhabeleistungen auch in den Berliner Bürger- und Wohnungsämtern voll zugeschlagen.
Um der Überlastung Herr zu werden, sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglichst während der Sommerferien keinen Urlaub nehmen. So hofft man, die immensen Rückstände in den Griff zu bekommen. Und keiner denkt in diesem Moment an die schulpflichtigen Kinder jener, die ohnehin wegen der langen Sprechstunden hilflos zusehen müssen, wie ihr Familienleben leidet.
Immer wieder werden darüber hinaus unterschwellig die hohen Krankenstände kritisiert. Doch bei all diesem Stress, der Dauerbelastung und dem hohen Altersdurchschnitt der Beschäftigten ist dies doch kein Wunder und jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist bei allem guten Willen, die Arbeit zu schaffen, irgendwann machtlos. Das Burn Out ist vielfach die Folge. Der hohe Krankenstand verschärft noch den ohnehin bestehenden Personalnotstand. Da hilft auch kein noch so gut gemeintes Gesundheitsmanagement mehr!
Und wo bleiben die dringend benötigten Nachwuchskräfte? - Wem nutzen Jahresverträge, die auslaufen, wenn dann die gut ausgebildeten und eingearbeiteten jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Ämter wieder verlassen müssen?!!
Und welche erfahrenen Beschäftigten aus anderen Bereichen der Bezirksverwaltung sollten die Bürgerämter verstärken? Vielleicht jene aus den Sozial- und Wohnungsämtern, die ohnehin überlastet sind und selbst dringend Verstärkung benötigen?!!
Und kommt dann schon mal die / der eine oder andere ins Bürgeramt, dann folgt unweigerlich der Sprung "ins kalte Wasser". Denn die zwingend notwendige Einarbeitungszeit von mindestens einem halben Jahr für neue Dienstkräfte wird unter diesen Umständen einfach ignoriert.
Und noch eine schlimme Folge des Personalnotstandes: In der Kostenrechnung können nur noch die Fallzahlen abgerechnet werden, die von dem wenigen einsatzbereiten Personal erbracht werden können. Die endlose Kostenspirale wird in Gang gesetzt und es kommt in der Folge zu immer mehr Schließungen von Bürgerämtern. Andere Ämter auch in anderen Bezirken müssen nun den Besucheransturm voll mit auffangen. Und niemand fragt danach, wie dieses ohne zusätzliches qualifiziertes Personal bewältigt werden soll. Die Wartezeiten verlängern sich eben weiter! - Was schert das schon die Verantwortlichen in unserer Landespolitik?!!
Übrigens an der einen oder anderen Stelle könnten auch die hilfesuchenden Bürgerinnen und Bürger zu einer Entschärfung der angespannten Situation beitragen. So muss es nicht sein, dass einem erst wenige Tage vor Reiseantritt einfällt, dass der Reisepass abgelaufen ist. Dies führt regelmäßigig zu Hektik und weiterem Stress, der voll zu Lasten der aufopferungsvoll arbeitetenden Beschäftigten geht.
Fazit: Die Kolleginnen und Kollegen in den Bürgerämtern stehen unter Dauerstress und halten trotz allem die Geschäfte am Laufen. Sie leisten trotz aller widrigen Umstände eine qualitativ hochwertige Arbeit und setzen sich über alle Maßen für eine gute Dienstleistung am Bürger ein.
Die gkl berlin fordert alle Bezirksbürgermeisterinnen und -bürgermeister und alle politisch Verantwortlichen im Land Berlin auf, dies endlich zu würdigen.
Es wird endlich Zeit zu handeln!
Bezirksplafond für die Personalkosten der Bezirke war gestern! Was jetzt zählt, ist die Sicherung der kommunalen Dienstleistungen am Bürger und zwar vor allem dort, wo sie am nächsten und am wichtigsten ist, in den Bürgerämtern und Leistungsämmtern der Bezirke!
Deshalb und im Interesse der Bürgerinnen und Bürger unsere Forderungen an den Senat von Berlin:
Wesentliche Öffnung des Einstellungskorridors für junge Nachwuchskräfte.
Ein Beitrag von Manuela Pavel und Bernhard Lange
V.i.S.d.P. Bernhard Lange